Zelebriert eure Paarzeit!

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Letztens saß ich mit einer Freundin im Café und während ich gerade genüsslich die Zitonentarte auf dem Teller vor mir betrachtete, schaute meine Freundin mich auf einmal ganz ernst an und sagte: „Du weißt ja, ich arbeite viel und gerne. Und sobald ich dann zu Hause bin, die Kinder im Bett sind und C. (ihr Lebensgefährte) diesen Blick bekommt, der sich nach Sex sehnt, fehlt mir meistens jegliche Lust. Sag mal, Du bist doch Paarcoach, hast Du nicht Tipps? So wie jetzt kann es jedenfalls nicht weitergehen. C. verlässt mich noch oder nimmt sich eine Geliebte.“ Meine Antwort an sie möchte ich hier mit euch teilen:

Früher war die Trennung von Arbeitszeit und Privatleben sehr viel klarer als heute. Viele Menschen tragen die Gefühle und Gedanken eines Arbeitstages nach Hause. Oftmals verschwimmen die Grenzen sogar ganz, wenn noch schnell auf die E-Mail eines Kollegen geantwortet wird oder nach dem Abendessen noch kurz an dem Bericht gefeilt wird, weil der morgen fällig ist. Wir leben in einer zielorientierten Gesellschaft, in der Produktivität die oberste Priorität hat. Aber darüber hinaus dürfen wir auf keinen Fall das Spiel vernachlässigen. Was meine ich mit Spiel? Kinder spielen ganz selbstverständlich, fantasievoll, neugierig, ganz bei sich, Zeit hat darin keine Bedeutung. Ein Ziel stand nicht im Mittelpunkt. Erinnerst Du Dich daran, wie es war, so zu spielen? Viele Erwachsene haben verlernt, sich auf ein Spiel einzulassen. Das Spiel von Erwachsenen unterscheidet sich natürlicherweise von dem der Kinder. Mit unserer Entwicklung zu einem erwachsenen Menschen ist das Spiel tiefgründiger und subtiler geworden – was jedoch nicht bedeutet, dass es nicht genauso fröhlich, von Neugierde getrieben und kreativ sein kann, wie zu Kindertagen.

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Die Lust in unserer Partnerschaft wach zu halten, gleicht einem Spiel: es braucht Fantasie.

Ich plädiere absolut dafür, dass das Spiel auch im Erwachsenenalter ein wichtiger Bestandteil des Lebens sein sollte! Ob in unserer Freizeit in Form von Brettspielen, einem Ping-Pong-Match mit einem Freund, beim albernen Gummibärchen-in-den-Mund werfen mit unseren Kindern, beim Bau einer Strandgutinstallation beim Urlaub am Meer – und eben auch im erotischen Spiel mit unserem Partner. Wie absurd ist es doch, wenn wir zwar unsere Karriere pflegen, nicht aber die Beziehung zu unserem Partner. Die Lust in unserer Partnerschaft wach zu halten, gleicht ebenfalls einem Spiel: es braucht ganz das Hier-und-Jetzt-Feeling, das ganz bei mir und beim Partner-sein, ein Fünkchen Fantasie, Neugier, Offenheit und Experimentierfreude. Wir können aber nur spielen bzw. in eine erotische Stimmung kommen, wenn wir uns im Kopf frei von Verpflichtungen machen, die Arbeit bewusst beiseiteschieben. Da die meisten von uns heute jedoch das Gefühl haben, nie ganz fertig zu sein mit den Aufgaben des Tages und diverser Verpflichtungen, kommen wir nur schlecht in einen Spiele-Modus.

Was also tun? Nun, wir müssen lernen, den Übergang von der Arbeitszeit zu unserem Privatleben bewusster zu gestalten und beide Bereiche wieder klarer voneinander abgrenzen: vom Pragmatismus der Arbeit, hin zu Lust, Erotik und Spiel. Der Übergang kann jedoch nur fließend und nicht abrupt stattfinden, denn alles andere würde uns nur zusätzlich stressen. Wir geraten wohl auch selten sogleich in sexuelle Wallung, wenn wir aus dem Büro heimkehren (außer in einer Phase der Verliebtheit vielleicht). Zudem gilt es in dieser Fragestellung zwei Übergänge zu unterscheiden und zu meistern: wir treten aus dem Job-Feld ins Feld unseres Familienlebens (1), erst von hier aus können wir dann in das Paar-Feld treten (2). Es ist bedeutsam zu verstehen und unterscheiden zu lernen: im ersten Feld, dem Feld des Familienlebens, nimmt unser Partner eine andere Rolle ein, als im zweiten Feld, dem Paar-Feld. Während seine Rolle im Familienfeld die unseres Freundes und Vaters unserer Kinder ist – ist seine Rolle im Paarfeld einzig und allein die des Liebhabers.

In sexy Stimmung kommen nach einem langen Arbeitstag. Lies hier mehr.

Und wie kommen wir nun also in sexy Stimmung nach einem langen Arbeitstag? Wie können wir eine Atmosphäre für ein erotisches Spiel schaffen? Ein Zauberwort dabei lautet Antizipation! Mit Antizipation meine ich hier ein Gedankenspiel, wie es wäre, wenn… Wenn du dir vorstellst, was an diesem Abend alles Wunderbares geschehen könnte, dann kommst du dadurch schon einmal in eine subtile, sexy Grundstimmung. Die damit verbundenen Fantasien können so bezaubernd sein, wie die sexuelle Handlung selbst. Du könntest Dich zum Beispiel einmal in der Woche mit Deinem Partner in der Stadt verabreden, auf einen Besuch in Eurem Lieblingsrestaurant. Für eure Kinder habt ihr einen Babysitter engagiert. Du stellst dir dann schon während des ganzen Tages vor, wie ihr abends in der lichtervollen Stadt durch die Straßen spaziert, wie Du Dein Lieblingskleid trägst und die neuen Schuhe und den roten Nagellack dazu. Du stellst dir vor, wie ihr dann im Restaurant sitzt, bei einem Glas Wein und Pizza al Mare bei Kerzenlicht. Und du stellst dir vor, wie ihr später zu Hause eine wunderschöne, intime Nacht miteinander verbringt. Diese Vorstellungen versetzen Dich unbewusst in Vorfreude, Du fühlst Dich erregt und lebendig.

Es ist in dieser Angelegenheit zudem wichtig, sich selbst Rituale des Übergangs zu schaffen. Markiere das Ende des Arbeitstages im Geist damit, dass Du Dir zuflüsterst: Es ist Zeit zu entspannen. Nutze die Autofahrt von der Arbeit, um Musik zu hören oder steige eine Bus-Station früher aus, um nach Hause zu spazieren, vorbei an dem schönen Buchladen. Was auch immer Dir gut tut und Dich entspannen lässt, ist jetzt gut!

Sende vielleicht eine suggestive, sexy SMS oder eine E-Mail an Deinen Partner. Kaufe eine Flasche guten Wein und Blumen nach Feierabend, überlege Dir einen Film, den ihr gemeinsam schauen könntet.

Wenn du zu Hause angekommen bist, was tust Du normalerweise als erstes? Die Post durchschauen, den Hund begrüßen? Denke daran: Zuerst deinen Partner, dann Deine Kinder, dann erst den Hund zu begrüßen! Mach es Dir zur Gewohnheit, Deinen Partner zu küssen, wenn du nach Hause kommst. Das muss noch kein heißer, lustvoller Kuss sein. Aber die fokussierte Aufmerksamkeit lädt zu erotischen Gefühlen ein. Auch ein liebevoller Blick kann den gleichen Effekt haben.

Bringt die Kinder zu Bett. Größere Kinder können bereits verstehen, dass ihre Eltern nun „Paarzeit“ haben und diese Paarzeit ein wichtiger Bestandteil eines gesunden Familienlebens ist. Denke daran: ihr als Paar bildet das Fundament einer glücklichen Familie, das heißt, ihr kommt zuerst!

Die Paarbeziehung hat immer Vorrang und kommt zuerst.

Schaffe eine Atmosphäre der Wohligkeit und der Sinnlichkeit im Haus. Damit meine ich ein Ambiente, dass ein erotisches Spiel erleichtert und auch zulässt. Schaffe beispielsweise eine Freizone für alle digitalen Geräte, vielleicht ab 21.30 Uhr. Gehe in den Kontakt zu deinem Partner. Kocht mal wieder gemeinsam. Lest Euch gemeinsam aus euren aktuellen Büchern vor. Lächle Deinen Partner an. Schau ihm in die Augen. Nimm ein Bad, allein oder mit Deinem Partner. Zünde Kerzen an… Zelebriert eure Paarzeit!

Was sind Eure Rituale des Übergangs, um die Grenze zwischen produktiven Tun und erotischem Selbst festzulegen? Ich würde mich freuen, wenn ihr Eure Tipps in den Kommentaren mit uns teilt.

Posted by Anne Brandt

Pädagogin, Kommunikationstrainerin & Familien- und Paarcoach. Ich arbeite kreativ und intuitiv vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Erkenntnisse. Ich unterstütze Dich darin, Deinen Familientraum zu leben.

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