Paartango

Paartango und Kommunikation

Paartango und Kommunikation

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Fast jeder Streit in einer Beziehung beginnt damit, dass einer der Partner Kritik am anderen äußert. Und zumeist hat diese Kritik ihren Ursprung in den unterschiedlichen Erwartungshaltungen der Partner.  Kennst du das? Du hast eine Meinungsverschiedenheit mit Deinem Partner und warst der Überzeugung, die Situation, um die es dabei ging, auch aus seiner Sicht richtig interpretiert zu haben – Du lagst aber im Endeffekt völlig daneben? Oder Dein Partner ist Dir immer in den Redefluss gefallen, weil er meinte, schon zu wissen, was Du gleich sagen würdest? Solche Szenen enden nicht selten in einem Teufelskreis aus Kritik, Anschuldigung, Rechtfertigung und Resignation. Beide Partner fühlen sich unverstanden und nicht wirklich „gesehen“.

John Gottmann, ein amerikanischer Familientherapeut, hat vier Aspekte einer schleichenden Krise in einer Paarbeziehung ausgemacht, die oftmals auch die Trennung des Paares einläuten. Er nannte sie die Apokalyptischen Reiter. Das klingt gruselig und vielleicht denkt Ihr wie ich sogleich an den Holzschnitt von Albrecht Dürer im biblischen Kontext. Gottmann greift das biblische Bild der Apokalyptischen Reiter auf, um metaphorisch darzustellen, wie eine Beziehung nach und nach vergiftet und ihre emotionale Grundlage zerstört wird – und zwar nicht durch mysteriöse Geisterwesen, sondern die Lebenspartner selbst.

Der erste Reiter, der in einem wenig konstruktiven Streit gerne im wildem Galopp geritten kommt, stellt häufig eine verletzende Kritik am Partner dar. Beschwerden werden hierbei als persönlicher Vorwurf geäußert, die Schuld und Versagen implizieren. Schließt sich diesem ersten Reiter dann der zweite mit Namen Verachtung an, droht dem Paar oftmals schon die Umzingelung durch die apokalyptischen Reiter und der Teufelskreis ist in Gang gesetzt. Dieser zweite Reiter geht einher mit Sarkasmus und Zynismus, und äußert sich in Verfluchungen, Augenrollen, Verhöhnungen und einem abschätzigen, respektlosen Humor. Der dritte Reiter, mit Namen Verleugnung, provoziert Rechtfertigungen und Gegenangriffe der Partner. „Was habe ich damit zu tun?“, „Das Problem liegt doch bei dir!“ oder „Mach doch, was Du willst.“ Solche Worte klingen, als gäbe es kein Wir, kein gemeinsames Wachstum, keine wirkliche Bindung mehr. Kommt dann noch der vierte Reiter hinzu, der sich im Rückzug und Mauern der Partner anzeigt, haben die apokalyptischen Reiter nach Gottmann ihre zerstörerische Wirkung voll entfaltet.

Aber so muss es nicht kommen. Lasst den Apokalyptischen Reitern in Eurer Beziehung keinen Raum für ihren wilden Ritt! Und ich möchte hier gleich klarstellen, dass dies nicht heißt, dass Kritik in einer Partnerschaft nichts verloren hätte. Es kommt aber darauf an, wie sie geäußert wird und ob sie ihren konstruktiven Anteil entfalten kann. Denn Kritik bzw. Feedback kann eine Möglichkeit zur persönlichen Entwicklung beinhalten, was ja nie verkehrt ist.

Und der eben schon erwähnte Johne Gottmann fand durch seine Studien auch heraus, dass es fünfmal so viele positive wie negative Begegnungen braucht, um die Partnerschaft zu erhalten. Das klingt viel, oder? Und vielleicht denkt ihr jetzt, dass es in einem stressigen Alltag mit Kindern kaum möglich ist, dieses Gleichgewicht zu halten. Doch, es ist möglich, aber es bedarf eben auch eines positiven Willens und ja, kleiner Anstrengungen in diese Richtung. Nur zu leicht lassen wir uns von unseren Launen leiten. Aber diese fünf positiven Begegnungen in einer Partnerschaft, von denen Gottmann spricht und auf die es ankommt, müssen keine Riesenevents sein. Nein, es sind oftmals die kleinen, stillen Momente mit der Riesenwirkung in unserem Herzen. Es geht in einer Partnerschaft nämlich vor allem um Achtsamkeit, Anerkennung und Wertschätzung. Achtsamkeit, Anerkennung und Wertschätzung sind sozusagen die guten Feen, die sich den apokalyptischen Reitern immer wieder entgegenstellen und sie einfach hinfortpusten.

Im Folgenden möchte ich Euch nun konkrete Tipps an die Hand geben, um eine Krise erst gar nicht entstehen zu lassen bzw. in einer Krise wieder zueinander zu finden.

Als erstes möchte ich Euch mit Zwiegespräch für Paare bekannt machen. Ich nenne es auch gerne den Wetterbericht.

Der Wetterbericht

Kannst Du Dir vorstellen, dass Dein Partner und Du Euch regelmäßig, etwa 3-4 mal in der Woche, Zeit für ein gemeinsames Gespräch nehmt? Zum Beispiel abends, wenn die Kinder im Bett sind. Wenn Euch Eure Beziehung zueinander wichtig ist, solltet Ihr Euch ohnehin regelmäßig die Zeit nehmen, beieinander zu sein, es Euch miteinander gemütlich zu machen, bei einem Glas Wein vielleicht. Der Wetterbericht liefert Euch einen Rahmen für ein gemeinsames Gespräch. Es ist dabei übrigens wertvoll, wenn Ihr Euch währenddessen in die Augen schaut und irgendwie in körperlichen Kontakt seid, z.B. durch Hände halten, eng beieinandersitzen oder auch, ja, umarmend. Das Gespräch kann 20 Minuten dauern oder 30, je nachdem. Ihr könnt nacheinander oder abwechselnd sprechen, so wie es für Euch passt und stimmig ist.

Wichtig ist, dass folgende Aspekte Bestandteil des Gesprächs sind:

  1. Wertschätzung ausdrücken

Teile Deinem Partner mit, was Du in Eurer Beziehung oder an ihm wertschätzt. Richte Deine Aufmerksamkeit bewusst auf einen positiven Aspekt in Eurer Beziehung. Beschreibe eine konkrete positive Situation und das Verhalten Deines Partners in dieser Situation, dass Du toll oder dankenswert empfindest. Zum Beispiel „Danke, dass Du heute die Wäsche abgenommen und aufgehangen hast.“ Oder auch „Ich bin so froh, dass wir zusammen sind und ich den Kindergeburtstag gestern nicht alleine meistern musste.“ Wertschätzungen machen einfach froh, stärken unser Selbstwertgefühl, lassen Vertrauen wachsen und uns hoffnungsvoll in Richtung Zukunft schauen.

  1. Neue Informationen und eigene Gefühle

Teilt Euch auch gegenseitig mit, was Ihr gerade als wichtig erlebt, welche Ideen in Eurem Kopf herumschwirren, was ihr erlebt habt, welche Gefühle euch gegenwärtig bewegen. Das können also zum Beispiel neue Ereignisse sein wie „Luis hat heute beim Mittagsessen einen Zahn verloren.“ Oder Pläne wie „Wir haben von Inga eine Einladung zum Grillen an diesem Wochenende bekommen. Magst du hingehen?“. Auch Informationen über die Arbeit gehören hierher wie „Heute haben sie entschieden, das Projekt in Chile nicht anzunehmen.“ Auch sollte an dieser Stelle Platz für Eure Gefühle sein, etwas „Ich war heute so emotional drauf, weil ich traurig war, denn ich hatte mich schon auf das Chile-Projekt gefreut, wie Du weißt.“

  1. Kopfzerbrechen und Nachspüren

Hier geht es darum, der Beziehung nachzuspüren und damit den Gefühlen und Gedanken des Partners. Zu oft versuchen wir, wie ich anfangs schon einmal sagte, in den Gedanken unseres Partners zu lesen und zu oft denken wir, wir würden dabei richtig liegen. Aber Vermutungen, Mutmaßungen führen oftmals zu unnötiger Verwirrung und zu Missverständnissen. Besser wäre es, schlicht nachzufragen, sich zu vergewissern, ob man das Gesagte richtig verstanden hat. Ein Beispiel: „Du warst heute Morgen so kurz angebunden, nur ein flüchtiger Abschiedskuss. Bist Du noch immer sauer auf mich wegen der Sache mit deinen Eltern?“ „Ja, irgendwie schon. Ich bin deswegen echt genervt, ich fand deine Reaktion nicht so toll.“ „Hm. Okay, Du bist echt noch sauer auf mich. Bitte entschuldige. Was genau hat Dich an meiner Reaktion so sehr gestört?“

  1. Wünsche, Hoffnungen, Träume mitteilen

Der vierte Punkt sollte für das Gespräch ebenfalls essentiell sein: es geht darum, die gemeinsame Zukunft in den Blick zu nehmen, sie mit Wünschen und Träumen auszugestalten. Beispiel: „Ich würde so gerne mit Dir mal wieder ein Wochenende allein an der Ostsee verbringen.“ Oder „Eine schöne Vorstellung, mit Dir in 40 Jahren zusammen hier auf der Gartenbank bei einem Erdbeerkuchen zu sitzen und unseren Enkelkindern beim Spielen zuzuschauen.“

In einer Beziehung, in der beide sich immer wieder füreinander entscheiden, wirkt der Wetterbericht wie eine frische Energiedusche und wird Eurer Wir-Gefühl in hohem Maße stärken. Vielleicht wird ja der Wetterbericht zu einem täglichen oder wöchentlichen Ritual für Euch. Schreibt mir gerne, welche Erfahrungen Ihr damit gemacht habt.

An dieser Stelle sei aber auch an Deine Intuition appelliert. Denn gerade der vierte Punkt kann bei einem unsicher gebundenen Partner, also einem Partner, der gerade an der Beziehung und der gemeinsamen Zukunft zweifelt, zu Abwehrreaktionen führen. Darüber werde ich in einer der nächsten Podcast-Folgen sprechen.

Was jedoch, wenn sich ein oder zwei apokalyptische Reiter schon in eure Beziehung eingeschlichen haben, ihr aber weiterhin an eine gemeinsame Zukunft glaubt?

Dann solltest Du bzw. Ihr es mal mit dem Immer-schön-geschmeidig-Anti-Drama-Drehbuch versuchen.

Immer-schön-geschmeidig-Anti-Drama-Drehbuch (IsgADD)

Die Drama-Situation ist schon da? Deine Partnerin bzw. Dein Partner hat sich auf das Pferd des ersten apokalyptischen Reiters geschwungen und donnert Dir mit spitzen Giftpfeilen entgegen.

Bleib geschmeidig

Dann heißt es erst einmal, tief durchatmen. Ja, bevor Du jetzt irgendetwas sagst oder tust, dass Du nachher selbst nicht mehr verstehst und bereust, atme tief ein und aus, 3 mal, tief ein und ausatmen.

Entwaffnung

Dann geht es im zweiten Schritt zunächst darum, den Partner zu entwaffnen. Den Partner entwaffnen, heißt auch, ihm den Wind aus den Segeln zu nehmen. Wie das gehen soll? Gib Deinem Partner, was er von Dir möchte: ja, gib ihm recht! Natürlich ist das jetzt keine Aufforderung, Dich selbst und Deine Gefühle zu verleugnen. Du sollst ihm auch gar nicht hundertprozentig recht zu geben, wenn Du weißt, dass seine Kritik nicht Hand und Fuß hat, sondern nur ein bisschen. Es geht hier nämlich nicht darum zu klären, wer denn nun recht hat, sondern darum, im Drama zueinanderzufinden. Dich kostet das in diesem Moment die Überwindung Deines Stolzes, denn unser natürlicher Reflex, wenn wir angegriffen werden, ist, uns zu verteidigen und die persönliche Niederlage abzuwehren. Aber, die Zauberfrage lautet: Was ist in diesem Moment eigentlich wichtiger: recht zu bekommen und Deinen Stolz zu bewahren oder Nähe und Glück? Denn meistens steckt ja zumindest ein Fünkchen Wahrheit in den Vorwürfen unserer Partner. Wenn Dein Partner Dir zum Beispiel sagt: „Du hörst mir nie richtig zu!“, wäre eine Reaktion nach dem Anti-Drama-Drehbuch: „Du hast recht. Manchmal höre ich Dir wirklich nicht richtig zu.“ Und nun sollte sogleich noch eine Lösungsidee folgen, oder Du wirst gleich aktiv. Zum Beispiel: „Ich werde versuchen, Dir ab sofort besser zuzuhören. Und ich halte jetzt für 10 Minuten meinen Mund und spitze meine Ohren und werde Dir ganz und gar ergeben zuhören, ohne Dir dazwischen zu funken, okay?“ Eine andere Möglichkeit der Entwaffnung, die fast immer funktioniert, stellt übrigens das gute alte Wort Entschuldigung dar – aber nur, wenn Du es auch so meinst.

Aktiv zuhören und nachfragen

Das Bespiel von eben verdeutlicht überhaupt zwei wesentliche Aspekte im Anti-Drama-Drehbuch: Wenn Dein Partner bzw. Deine Partnerin das Gefühl hat, wirklich gehört und gesehen zu werden, sinkt die Wahrscheinlichkeit eines Dramas gegen Null. Aktives Zuhören versus passives Zuhören. Schau Deinem Gegenüber also in die Augen und nicht auf Dein Handydisplay oder in der Landschaft umher. Versuche die Worte Deines Partners wirklich zu verstehen und frage nach, wenn Du etwas nicht verstanden hast. Super ist es auch, wenn Du eine kleine Zusammenfassung des Gesagten gibst, um Dich zu vergewissern, dass die mitgeteilten Gefühle und Infos richtig bei Dir angekommen sind. Dabei geht es nicht darum, mit Deinem Partner einer Meinung zu sein, sondern ihm den Beweis Deiner Mühe zu liefern.

Paint your mood

Beschreib Deinem Partner auch Deine Gefühle. Mit Sätzen wie: „Da willst mich einfach nicht verstehen.“ oder „Da haben wir’s, Du liebst mich einfach nicht mehr.“ vergrößert sich der Unmut in Deinem Partner nur noch. Versuche stattdessen Deine Gefühle in Worte zu fassen. Und ja, „Ich fühle…“ ist dafür ein guter Satzanfang. Zum Beispiel: „Ich fühle mich einfach so allein damit.“ Aber auch schlichte „Ich bin…“-Sätze sind gut. „Ich bin traurig, eifersüchtig, gestresst, enttäuscht etc.“ Denke daran, Dein Partner kann nicht in Deinen Kopf schauen. Das funktioniert selbst in der symbiotischsten Beziehung nicht. Also, teile Deinem Partner ganz offen und ehrlich Deine Gefühle mit.

Stroking (Streicheln)

Man überzeugt einen anderen nicht so sehr mit dem Kopf als vielmehr mit dem Herzen. So lautet ein Geheimnis gelingender Kommunikation: Lass Deinen Partner spüren, dass Du es gut mit ihm meinst. Schmeichel ihm, weil Du ihn liebst trotz der momentanen Drama-Situation. Du kannst das mit Worten tun: „Ich bin gerade wirklich wütend auf dich. Aber ich möchte Dich nicht missen. Keiner bäckt doch so guten Kirschkuchen wie Du.“ Du kannst Deine Zuneigung aber auch mit Deinem Körper und Deiner Stimme ausdrücken, indem Du eine offene und interessierte Haltung einnimmst, anstatt mit dem Kopf zu schütteln, vor Dich hin zu knurren oder Deine Arme zu verschränken.

VW-Regel

Und falls Dir selbst eine Kritik an Deinem Partner auf der Zunge liegt, möchte ich Dir die VW-Regel ans Herz legen. Nein, die hat rein gar nichts mit dem Autohersteller zu tun, sondern besagt, dass es für Eure Paarbeziehung förderlicher ist, wenn Du einen Vorwurf in einen konkreten Wunsch verwandelst. So steht das V steht für Vorwurf und das W für Wunsch. Hinter jeder Kritik verbirgt sich eine Erwartung oder auch Sehnsucht. Wenn ihr Euch gegenseitig Eure Erwartungen (zum Beispiel in Form des zuvor erwähnten Wetterberichts) mitteilt, wird es automatisch weniger Streitquellen geben. Noch einmal: Dein Partner kann nicht Deine Gedanken und Gefühle lesen, so lange Du sie in Dir verschlossen hältst. Und wie kann die VW-Regel nun beispielsweise in einem konkreten Beispiel aussehen? Statt Deinem Partner an den Kopf zu knallen, dass er nie da ist, wenn Du ihn brauchst (Superlative sind übrigens auch immer problematisch, versuche sie zu vermeiden), könntest Du sagen: „Du bist momentan sehr beschäftigt mit Deinem Job und wir verbringen weniger Zeit miteinander. Ich wünsche mir wieder mehr Zeit mit Dir und ich möchte das Gefühl haben, dass Du für mich da bist, wenn ich Dich brauche.“

Statt zu streiten, solltet ihr die Frühlingsgefühle und die flirrende Sommerstimmung nutzen, um die gemeinsame Zeit zu genießen und schöne gemeinsame Erinnerungen zu schaffen. Erinnerst Du Dich noch an das 5:1 Verhältnis nach Gottman? Fünf positive Erlebnisse werten ein weniger gutes ab? Eine gute Beziehung hat auch immer mit einer positiven Grundhaltung der Partner zu tun. In der Art von: „Ich respektiere Dich, so wie Du bist, und möchte Dich diesen Respekt auch spüren lassen.“ Liegt Dir Eure Beziehung am Herzen, konzentriere Dich auf diese Grundhaltung – vor allem, wenn wieder ein Streitthema in der Luft liegt.

Hier kannst Du Dir sowohl den Wetterbericht als auch das Immer-schön-geschmeidig-Anti-Drama-Drehbuch herunterladen.

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Muttersein – Sexiness – Selbstentfaltung

Muttersein – Sexiness – Selbstentfaltung

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Dieser Text kommt eigentlich drei Tage zu spät, denn ich hätte ihn gut zum Weltfrauentag posten können. Es gab zwei aufeinanderfolgende Ereignisse, die mich ermuntert haben, diesen Beitrag heute zu schreiben.

  1. Stichwort: Emma Watson (ihr wisst schon, Hermine aus Harry Potter) und
  2. Das Feedback einer Hörerin meines Podcasts “Familie leben”

Ich möchte mit dem zweiten Punkt beginnen. Mich erreichte vorgestern die E-Mail einer jungen Frau, die mir ein schönes und postives Feedback zu meinem Podcast schrieb. Herzlichen Dank, Melanie, dafür. Was sie jedoch noch nicht ganz verstehe, sei, um was es mir dabei nun genau gehe: um Selbstfindung, Paarbeziehung & Sex oder um Familienthemen. Nun, liebe Melanie und alle Leser da Draußen: für mich gehört das alles zusammen. Ein Leben als Familie ist unglaublich komplex. Und dieser Blick für das Ganze ist es auch, der mir persönlich immer im Meer der Ratgeberliteratur gefehlt hat. Die Bereiche Leben mit Kindern, Selbstfindung und Paarbeziehung respektive Sexualität werden dort meistens separat betrachtet und untersucht.

Ich finde es, ehrlich gesagt, unglaublich, dass man als Mutter mancherorts immer noch schief angeschaut wird, wenn man davon spricht, sich mehr Lust und Leidenschaft im Leben zu wünschen. Als Mutter scheint man vor allem eins sein zu müssen, nämlich Mutter, hauptberuflich! Jede andere Regung in Richtung Selbstentfaltung und Lustempfinden gilt als egoistisch, weltfremd, ja, sonderbar. Und wenn von Sexualität in einer familiären Paarbeziehung gesprochen wird, dann vor allem zugunsten des Mannes, der nicht vernachlässgt werden dürfe. Schließlich, wenn Frau sich noch ein zweites Kind wünsche, müsse sie dem Mann Lust schenken, sich gefügig zeigen, auf seine Bedürfnisse eingehen. Oh, Frauen sind so wunderbar darin, ihre eigenen Bedürfnisse zugunsten der Familienharmonie hintenan zu stellen. Oder besser gesagt, vermutet man gerne, dass die Frau gerade das glücklich macht: verantwortlich für den Familienfrieden zu sein, so dass es allen gut geht. Frausein – Muttersein – Selbstentfaltung – Lust – Verlangen – Erotik, diese Kombination passt für viele Menschen in unserem Land noch immer nicht zusammen. Und ich könnte auch ganz einfach das Muttersein aus der Schlagwort-Kette löschen; selbst dieser Kombination haften schon merkwürdige gesellschaftliche Vorstellungen an.

Esther Perel beschreibt das in ihrem Buch “Wild Life” so: “Historisch betrachtet, sind weibliche Sexualität und Intellekt nie integriert gewesen. Die Körper der Frauen wurden kontrolliert und ihre Sexualität im Zaun gehalten, um deren korrumpierender Wirkung auf die Tugendhaftigkeit der Männer entgegenzuwirken. Fraulichkeit, assoziiert mit Reinheit, Opferbereitschaft und Zerbrechlichkeit, war der wichtigste Wesenszug einer moralisch erfolgreichen Frau. Ihr finsterer Zwilling, der weibliche Buhlteufel (auch bekannt als Hure, Schlampe, Konkubine, Hexe), war die derbe, sinnliche und unverhohlen lustvolle Frau, die ihre Respektabilität zugunsten sexueller Ausschweifung aufgegeben hat. … Frauen haben die patriarchalische Trennung zwischen Tugendhaftigkeit und Lust immer zu überwinden versucht und kämpfen bis heute gegen diese Ungerechtigkeit an.”

Und da wäre ich beim Stichwort Emma Watson. Die Schauspielerin ist eine aktive Frauenrechtlerin mit einem Bachelor in Literatur. Sie ist bekannt für ihr weltweites Engagement, u.a. entwickelte sie mit UN Woman die Kampagne “HeForShe”, die Männer und Jungen dazu bewegen möchte, sich für Frauen- und Mädchenrechte stark zu machen.

In der Vanity Fair erschien letztens eine Foto von ihr, das in den sozialen Netzwerken für Aufruhr sorgte, und zwar vor allem unter Frauen! Auf dem Foto sind die Brüste von Emma Watson halb entblößt. Dies wurde nun mit einem Verrat an der Frauenbewegung gleichgesetzt. Auch in unseren hochentwickelten Gesellschaften scheint die Kombination aus Intellekt und weiblicher Sexiness noch immer nicht akzeptiert zu sein. Einer Frau, die sich für die Gleichstellung von Mädchen und Frauen einsetzt, die darüber hinaus vielleicht auch noch Kinder hat, wird Sexiness noch immer gerne abgesprochen. Wenn überhaupt sollte es sich bei Charme und einer erotischen Ausstrahlung höchstens um ein Anhang-Attribut handeln, für das die Frau im besten Fall gar nichts kann. Aber sobald sie es aktiv und selbstbewusst für sich in Anspruch nimmt und als Teil ihres Seins begreift, werden böse Stimmen laut, unter Frauen wie Männern.

Als ich jung zum ersten Mal Mutter wurde, hatte ich natürlich dennoch das Bedürfnis, weiterhin meiner Leidenschaft für Bücher zu frönen. In den ersten Monaten mit einem sehr unruhigen Baby war das nicht leicht. “Oh, ich wünschte mir so, endlich mal wieder ganz in einem Buch versinken zu können.”, plauderte ich während eines Spaziergangs mit meiner Mutter so vor mich hin. Sie antwortete mir darauf, dass solche Dinge nun eben nicht mehr möglich seien, dass ich als Mutter nun eben andere Aufgaben hätte. Bumm! Ich blickte sie ungläubig an und dachte zum ersten Mal darüber nach, was es in unserer Gesellschaft hieß, Mutter zu sein.

Als dann die Zeit der Spielplatzbesuche begann, fragte ich mich innerlich, ob etwas mit mir nicht stimme, denn ich fand es meistens so unglaublich langweilig, dort auf der Bank zu sitzen und mich, wenn möglich, noch mit anderen Müttern über Windel-Konzepte, Babykost, Stillen oder nicht mehr Stillen etc. auszutauschen.

Ich denke, wir machen uns diesbezüglich viel zu viele Gedanken. Solche Dinge sollten viel pragmatischer und intuitiv gehandhabt werden. Viel, viel wichtiger sind doch in diesen ersten Jahren mit einem Kind Fragen wie: Wie fühle ich mich in der neuen Rolle als Mutter oder Vater? Bin ich gerne allein zu Hause mit meinem Kind? Fehlt mir mein Job? Wie hat sich mit der Geburt des Kindes die Beziehung zu meinem Partner verändert? Sehen wir uns jetzt nur noch als Eltern unseres Kindes oder bleiben wir ein Liebespaar? Reden wir miteinander und gönnen uns trotz Baby Paarzeit? Habe ich trotz Kind genug Raum für meine Bedürfnisse?

Viele junge Eltern sitzen einem romantischen Ideal vom Eltern-Sein auf, unter welchem subtil innerpartnerliche Konflikte aufkeimen können. So wird es heutzutage gerne als Standard proklamiert, dass der Mann während der Geburt des Kindes dabei sein sollte, für die Bindung zum Kind und um die Nabelschnur durchtrennen zu können. Für viele Männer ist die Geburt ihres Kindes sicherlich auch einer der glücklichsten Momente ihres Lebens. Bei der Geburt des Kindes anwesend zu sein, ja, die Frau dabei zu unterstützen. Aber bei manchen Männern entwickelt sich daraus eine sexuelle Erregungsstörung, die sich fortan auf die Paarbeziehung und somit auf das familäre Gleichgewicht auswirkt und nicht ohne professionelle Hilfe gehändelt werden kann.

Und das meine ich mit einem ganzheitlichen Verständnis, welches ich unter dem Namen “Familie leben” sublimiere. Die Ebenen der Selbstreflexion, der Paarbeziehung und die Gestaltung des Familienlebens sind auf engste miteinander verbunden.

Uns steht heute die große Freiheit zu, unser Leben bzw. auch unser Familienleben selbstständig und frei nach Gusto gestalten zu können. Im Prinzip steht da ein wunderbares Geschenk direkt vor uns, groß und mächtig, aber wir scheuen uns viel zu sehr, dieses Geschenk auch zu öffnen. Es wirken in uns noch alte, längst überkommene Muster und Rollenvorbilder, die uns hemmen, die Gestaltungsmacht, die mit der Freiheit einhergeht, zu nutzen. Das ist doch sehr schade, oder? Du darfst heute als Frau und Mutter selbst entscheiden, ob du Hausfrau sein oder Karriere machen möchtest, ob du einen Hidschab trägst oder einen Minirock, du kannst Dich selbst verwirklichen und mit deinen Kindern die Schulpflicht außer Kraft setzen, um mit ihnen um die Welt zu reisen. Du darfst dich auch mit Baby in Büchern verlieren (alles eine Frage des Elternteams bzw. des sozialen Netzwerkes, falls dein Baby auch temperamentvoll sein sollte), Bücher schreiben, Deinen liebsten Tätigkeiten nachgehen und deine Lust ausleben. Das gilt natürlich ebenso für Männer, außer was den Hidschab und den Minirock betrifft…obwohl… 😉

 

Posted by Anne Brandt in Paartango, Zeit für Dich, 0 comments
4 Aspekte für ein emotionales Gleichgewicht

4 Aspekte für ein emotionales Gleichgewicht

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Um unsere engsten Beziehungen zu erfüllten Beziehungen erblühen zu lassen, müssen wir in unserem Leben immer wieder drei Ebenen reflektieren.

Die erste Ebene ist die der Selbstreflexion. Mit ihr verbinden sich auch Schlagworte wie Selbstentfaltung, Selbstempfindung oder Selbstbestimmung. Wer bin ich? Was will ich? Wohin zieht es mich? Was sind meine Werte und Ziele im Leben? Auf dieser Ebene geht es darum, immer wieder zu erspüren, was mir gut tut, was mir Energie gibt und auch, was mir Energie raubt. Es geht um meine ganz individuellen Bedürfnisse, ganz unabhängig übrigens von meinem Partner, meinen Kindern und dem Rest der Familie. Es geht darum, mein Selbst zu stärken und mir dieser Stärke vor allem auch bewusst zu sein.

Auf der zweiten Ebene geht es um die Gestaltung von Beziehungen und hier vor allem um Zweierbeziehungen, also um die Paarebene. Auch wenn ihr als Elternpaar getrennte Wege gehen solltet, seid ihr dennoch als Elternpaar verbunden. Und wenn Du alleinerziehend sein solltest, rückt hier Dein soziales Netzwerk in den Blick bzw. Dein Wunsch nach Zweisamkeit. So stehen auf dieser Ebene zum Beispiel folgende Fragen im Fokus: Was ist mir in einer Beziehung wichtig? Wie verhalte ich mich meinem (Ex-)Partner gegenüber? Erkenne ich die Individualität meines Partners an, sehe ich ihn bzw. sie wirklich? Schenken wir uns gegenseitig Energie oder rauben wir uns einander Energie? Wachsen wir gemeinsam an Herausforderungen? Als (Eltern-)Paar seid ihr quasi die Architekten eures Familienlebens. Arbeitet ihr als Team oder beschränkt ihr euch gegenseitig, auch in eurer Selbstentfaltung?

Auf der dritten Ebene sollten wir unsere Beziehungen innerhalb des vielschichtigen, dynamischen Systems unserer Familie reflektieren. Wie verhalte ich mich als Mutter oder Vater? Wie agiere ich, wie mein Partner innerhalb dieses Systems? Wie agieren wir als Paar? Wie reagieren unsere Kinder? Wie kommunizieren wir miteinander? Eurer Familiensystem könnt ihr euch wie ein Mobile vorstellen,  alles steht hier miteinander in Verbindung. Und unsere Kinder halten uns den Spiegel vor. Damit meine ich, wenn etwas nicht wirklich stimmig ist im Gesamtgefüge einer Familie, dann sind es vor allem die Kinder, die ihren Emotionen noch ganz uneingeschränkt freien Lauf lassen und uns somit auf die verletzte, brüchige Stelle im System aufmerksam machen.

Die drei Ebenen verstehe ich hierarchisch, denn erst wenn ich weiß, wer ich bin, was ich will etc., kann ich auch mit persönlicher Integrität in einer Zweierbeziehung leben. Die Qualität der Paarbeziehung widerum bestimmt maßgeblich, wie souverän wir als Eltern gemeinsam das Familienleben mit unseren Kindern gestalten.

Ich möchte euch heute gerne vier wesentliche Aspekte für ein emotionales Gleichgewicht vorstellen, die für alle drei Ebenen äußerst bedeutsam sind.

Der amerikanische Psychologe und Sexualtherapeut David Schnarch hat im Laufe seiner Arbeit mit Paaren vier Aspekte als essentiell für erfüllte sexuelle Beziehungen, und allgemein für menschliche Beziehungen, herausgearbeitet (→ David Schnarch: Intimität und Verlangen: Sexuelle Leidenschaft in dauerhaften Beziehungen) Die 4 Aspekte richten den Blick auf die Stärke und Eigenständigkeit unserer Persönlichkeit, die in jeglichen Beziehungen von Bedeutung sind und sich auch auf Interaktionen mit unseren Kindern, Eltern, Freunden und Kollegen auswirken.

  1. Ein stabiles und flexibles Selbst (Solid Flexible Self TM)

Du solltest Klarheit darüber gewinnen, wer du bist, was du wirklich willst, welche Ziele du anstrebst und nach welchen Prinzipien du dabei leben möchtest. Vor allem wenn in unserer Umgebung Menschen leben, die uns zu manipulieren versuchen oder uns verunsichern, ist es wichtig, bei sich zu bleiben. Je stabiler Dein Selbstempfinden ist, umso besser kannst du auch zulassen, dass dein Partner in deinem Leben eine wichtige Rolle einnimmt. Du bist dann klarer in deiner Kommunikation, übrigens auch deinen Kindern gegenüber. Du kannst dich zeigen, wie du bist, du bist authentisch. Du kannst bei anderen Menschen Rat suchen, dich von ihnen inspirieren und sogar in deinen Entscheidungen beeinflussen lassen. Aber du hast es selbst in der Hand, diese Entscheidungen wieder abzuändern bzw. anzupassen. Du kannst dich nämlich flexibel verhalten, ohne deine Identität und Integrität zu verlieren. Du bist der Hauptdarsteller und zugleich Regisseur deines Lebens und hast die Macht über das Drehbuch! Gleichzeitig sollte jedoch in deinem Bewusstsein sein, dass auch dein Partner, deine Freunde, Kollegen etc. ebenfalls ihre eigenen Hauptdarsteller und Regisseure ihres Lebens sind.

  1. Ein stiller Geist und ein ruhiges Herz (Quiet Mind – Calm Heart TM ) *

Hiermit ist gemeint, dass es wichtig ist, dass du in der Lage bist, dich selbst zu beruhigen, dich selbst zu trösten oder Trost zu suchen, sowie deine Verletzungen heilen zu lassen. Ein stiller Geist und ein ruhiges Herz bewirken auch, dass deine Ängste und diffusen Empfindungen nicht Macht über dein Leben gewinnen. Es geht bei diesem Aspekt also um die selbstständige, ja, meditative Regulierung von Emotionen und Empfindungen: von überbordenden Liebesemotionen bis zu deinen Urängsten. Dazu ist es wichtig, deine inneren Gefühle und Unsicherheiten zunächst wahrzunehmen und anzuerkennen, als das was sie sind, nämlich Zustände und Erregungen in dir selbst. Zwar befindet sich der Reizauslöser, dein Trigger, zumeist im Außen, aber es liegt allein an dir zu entscheiden, inwieweit dich das psychisch wirklich trifft und in dich eindringt. Von dieser Metaebene aus kannst du sowohl die positiven, glücksbeflügelten Emotionen bewusst-rational in positive Energie umwandeln und für Deine Ziele und Vorhaben nutzen, als auch die destruktiven Emotionen abmildern oder gar unwirksam machen. Und da wären wir auch schon beim dritten Aspekt:

  1. Maßvolles Reagieren (Grounded Responding TM )

Hier geht es konkret darum, ruhig zu bleiben, also gegenüber deinem Partner, deinen Kindern, ja dir selbst gegenüber, nicht überzureagieren, auch wenn du heftigste Emotionen (z.B. im Steit, in Stresssituationen) in dir spürst. Besser ist es, erst einmal tief durchzuatmen, dich nicht gleich von der ersten heftigen Woge deiner Gefühle mitreißen zu lassen, loszuschreien oder sonstwie aufgebracht zu reagieren. Denn wenn du dich mitreißen lässt, wirst du es vielleicht bereuen und dir wünschen, es wieder rückgängig machen zu können. Aber gesagt ist gesagt und getan ist getan. Worte und Handlungen können schwer und dunkel im Raum stehen, wie durch einen bösen Zauber hingehext: sie strahlen ihre Wirkung aus und können überdauern. Ja gewiss, manchmal fühlt sich so ein Wutausbruch im Streit vielleicht wie eine Befreiung für dich an und tut dir gut. Aber da liegt der springende Punkt: sie tut dir gut und lässt den Anderen damit allein und stört sein emotionales Gleichgewicht. Innige Beziehungen leben davon, dass Partner, Eltern und Kinder sich gegenseitig mental spiegeln. David Schnarch nennt das den intersubjektiven Zustand und meint damit, dass wir uns mental in den anderen einfühlen. “Ja, das sind meine Gefühle (2. Aspekt), aber wie geht es denn wohl meinem Partner, meinem Kind in diesem Moment- was ist überhaupt die konkrete Situation in der wir beide uns befinden?” Wir alle können lernen, die Aufmerksamkeit bewusst von uns selbst und unseren Gefühlen abzuziehen und auch die mögliche Perspektive des anderen zu berücksichtigen. Damit gelingt es uns, die Dynamik der Situation im besten Fall durch Mitgefühl, Humor oder eine klare Ansprache zu überwinden. Dieser dritte Aspekt macht dich auch darauf aufmerksam, maßvoll zu reagieren, also der jeweiligen Situation angemessen: sie nicht kleiner oder größer zu machen, als sie eigentlich ist.  Daran schließt sich der vierte Aspekt an.

  1. Sinnvolle Beharrlichkeit (Meaningful Endurance TM )

Denn natürlich fühlen sich Konfliktsituationen nicht nach schönen Ferien am Strand an. Sie sind anstrengend und nervenaufreibend und gleichen wohl eher einem Trip durch die Wüste mit knappen Wasservorrat. Wir alle kennen den Impuls, unangenehme Situationen zu umgehen, bei Auseinandersetzungen davon zu laufen oder zu resignieren. Den vierten Aspekt nennt David Schnarch nicht umsonst nur Beharrlichkeit, nein, denn es braucht gleichfalls den Blick (ohne Scheuklappen) fürs Sinnvolle, welche Themen also aktuell wirklich bedeutsam sind. Bist du bereit, daran zu arbeiten und das Ringen um eine Lösung auszuhalten? Wenn Du dir vorstellst, wie es in der Zukunft sein könnte, wenn Du jetzt dran bleibst und nicht resignierst, kann Dir das helfen, den Fokus auf das Wesentliche hierbei nicht zu verlieren.

Alle vier Aspekte sind miteinander verbunden. Wenn wir also uns selbst akzeptieren, unseren Prinzipien treu sind, unsere Werte leben, wissen wir, wofür es sich lohnt, auch Widrigkeiten und Stürme bzw. trockene Wüstenlandschaften zu durchstehen. Unbehagen und Schmerzen können wir um des inneren Wachsens und Reifens willen ertragen lernen. Wachstumsschmerzen gehören zum Leben und Lernfrust zum Lernprozess.

Ich kann übrigens Elternpaaren, die schon länger miteinander leben und die in ihrer Beziehung sexuellen Frust verspüren, das Buch von David Schnarch wärmstens empfehlen:

Intimität und Verlangen: Sexuelle Leidenschaft in dauerhaften Beziehungen

* Hier findest du meine Entspannungsmeditation für gestresste Eltern, die dir diesbezüglich nützlich sein kann. 

Posted by Anne Brandt in Familie in Balance, Paartango, 0 comments
8 Geheimnisse für guten Sex

8 Geheimnisse für guten Sex

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Eine kanadische Forschergruppe hat in einer explorativen Studie aufgeschlüsselt, welche Merkmale guten Sex ausmachen. Die Forscher kommen in ihrer Auswertung zu dem Schluss, dass für die allermeisten erwachsenen Menschen auf diesem Planeten, weniger die körperliche Erfahrung, als die geistige Verbindung zum Partner bedeutsam ist, um schönen Sex zu erfahren. Was guten Sex ausmacht, darin sind sich also Menschen jeglicher Couleur und diverser Kulturen einmal einig. Erstaunlich ist demnach, dass intensive körperliche Gefühle (speziell Orgasmen) sowie Lust, Begierde und Anziehung weit weniger ausschlaggebend für schönen Sex sind, als zuvor vermutet. Der Grafik unterhalb könnt ihr die 8 Geheimnisse einer erfüllenden sexuellen Erfahrung entnehmen.

8 Geheimnisse für guten Sex findest du hier.

Ich freue mich über eure Kommentare und Erfahrungen zum Thema.


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Zelebriert eure Paarzeit!

Zelebriert eure Paarzeit!

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Letztens saß ich mit einer Freundin im Café und während ich gerade genüsslich die Zitonentarte auf dem Teller vor mir betrachtete, schaute meine Freundin mich auf einmal ganz ernst an und sagte: „Du weißt ja, ich arbeite viel und gerne. Und sobald ich dann zu Hause bin, die Kinder im Bett sind und C. (ihr Lebensgefährte) diesen Blick bekommt, der sich nach Sex sehnt, fehlt mir meistens jegliche Lust. Sag mal, Du bist doch Paarcoach, hast Du nicht Tipps? So wie jetzt kann es jedenfalls nicht weitergehen. C. verlässt mich noch oder nimmt sich eine Geliebte.“ Meine Antwort an sie möchte ich hier mit euch teilen:

Früher war die Trennung von Arbeitszeit und Privatleben sehr viel klarer als heute. Viele Menschen tragen die Gefühle und Gedanken eines Arbeitstages nach Hause. Oftmals verschwimmen die Grenzen sogar ganz, wenn noch schnell auf die E-Mail eines Kollegen geantwortet wird oder nach dem Abendessen noch kurz an dem Bericht gefeilt wird, weil der morgen fällig ist. Wir leben in einer zielorientierten Gesellschaft, in der Produktivität die oberste Priorität hat. Aber darüber hinaus dürfen wir auf keinen Fall das Spiel vernachlässigen. Was meine ich mit Spiel? Kinder spielen ganz selbstverständlich, fantasievoll, neugierig, ganz bei sich, Zeit hat darin keine Bedeutung. Ein Ziel stand nicht im Mittelpunkt. Erinnerst Du Dich daran, wie es war, so zu spielen? Viele Erwachsene haben verlernt, sich auf ein Spiel einzulassen. Das Spiel von Erwachsenen unterscheidet sich natürlicherweise von dem der Kinder. Mit unserer Entwicklung zu einem erwachsenen Menschen ist das Spiel tiefgründiger und subtiler geworden – was jedoch nicht bedeutet, dass es nicht genauso fröhlich, von Neugierde getrieben und kreativ sein kann, wie zu Kindertagen.

Die Lust in unserer Partnerschaft wach zu halten, gleicht einem Spiel: es braucht Fantasie.

Ich plädiere absolut dafür, dass das Spiel auch im Erwachsenenalter ein wichtiger Bestandteil des Lebens sein sollte! Ob in unserer Freizeit in Form von Brettspielen, einem Ping-Pong-Match mit einem Freund, beim albernen Gummibärchen-in-den-Mund werfen mit unseren Kindern, beim Bau einer Strandgutinstallation beim Urlaub am Meer – und eben auch im erotischen Spiel mit unserem Partner. Wie absurd ist es doch, wenn wir zwar unsere Karriere pflegen, nicht aber die Beziehung zu unserem Partner. Die Lust in unserer Partnerschaft wach zu halten, gleicht ebenfalls einem Spiel: es braucht ganz das Hier-und-Jetzt-Feeling, das ganz bei mir und beim Partner-sein, ein Fünkchen Fantasie, Neugier, Offenheit und Experimentierfreude. Wir können aber nur spielen bzw. in eine erotische Stimmung kommen, wenn wir uns im Kopf frei von Verpflichtungen machen, die Arbeit bewusst beiseiteschieben. Da die meisten von uns heute jedoch das Gefühl haben, nie ganz fertig zu sein mit den Aufgaben des Tages und diverser Verpflichtungen, kommen wir nur schlecht in einen Spiele-Modus.

Was also tun? Nun, wir müssen lernen, den Übergang von der Arbeitszeit zu unserem Privatleben bewusster zu gestalten und beide Bereiche wieder klarer voneinander abgrenzen: vom Pragmatismus der Arbeit, hin zu Lust, Erotik und Spiel. Der Übergang kann jedoch nur fließend und nicht abrupt stattfinden, denn alles andere würde uns nur zusätzlich stressen. Wir geraten wohl auch selten sogleich in sexuelle Wallung, wenn wir aus dem Büro heimkehren (außer in einer Phase der Verliebtheit vielleicht). Zudem gilt es in dieser Fragestellung zwei Übergänge zu unterscheiden und zu meistern: wir treten aus dem Job-Feld ins Feld unseres Familienlebens (1), erst von hier aus können wir dann in das Paar-Feld treten (2). Es ist bedeutsam zu verstehen und unterscheiden zu lernen: im ersten Feld, dem Feld des Familienlebens, nimmt unser Partner eine andere Rolle ein, als im zweiten Feld, dem Paar-Feld. Während seine Rolle im Familienfeld die unseres Freundes und Vaters unserer Kinder ist – ist seine Rolle im Paarfeld einzig und allein die des Liebhabers.

In sexy Stimmung kommen nach einem langen Arbeitstag. Lies hier mehr.

Und wie kommen wir nun also in sexy Stimmung nach einem langen Arbeitstag? Wie können wir eine Atmosphäre für ein erotisches Spiel schaffen? Ein Zauberwort dabei lautet Antizipation! Mit Antizipation meine ich hier ein Gedankenspiel, wie es wäre, wenn… Wenn du dir vorstellst, was an diesem Abend alles Wunderbares geschehen könnte, dann kommst du dadurch schon einmal in eine subtile, sexy Grundstimmung. Die damit verbundenen Fantasien können so bezaubernd sein, wie die sexuelle Handlung selbst. Du könntest Dich zum Beispiel einmal in der Woche mit Deinem Partner in der Stadt verabreden, auf einen Besuch in Eurem Lieblingsrestaurant. Für eure Kinder habt ihr einen Babysitter engagiert. Du stellst dir dann schon während des ganzen Tages vor, wie ihr abends in der lichtervollen Stadt durch die Straßen spaziert, wie Du Dein Lieblingskleid trägst und die neuen Schuhe und den roten Nagellack dazu. Du stellst dir vor, wie ihr dann im Restaurant sitzt, bei einem Glas Wein und Pizza al Mare bei Kerzenlicht. Und du stellst dir vor, wie ihr später zu Hause eine wunderschöne, intime Nacht miteinander verbringt. Diese Vorstellungen versetzen Dich unbewusst in Vorfreude, Du fühlst Dich erregt und lebendig.

Es ist in dieser Angelegenheit zudem wichtig, sich selbst Rituale des Übergangs zu schaffen. Markiere das Ende des Arbeitstages im Geist damit, dass Du Dir zuflüsterst: Es ist Zeit zu entspannen. Nutze die Autofahrt von der Arbeit, um Musik zu hören oder steige eine Bus-Station früher aus, um nach Hause zu spazieren, vorbei an dem schönen Buchladen. Was auch immer Dir gut tut und Dich entspannen lässt, ist jetzt gut!

Sende vielleicht eine suggestive, sexy SMS oder eine E-Mail an Deinen Partner. Kaufe eine Flasche guten Wein und Blumen nach Feierabend, überlege Dir einen Film, den ihr gemeinsam schauen könntet.

Wenn du zu Hause angekommen bist, was tust Du normalerweise als erstes? Die Post durchschauen, den Hund begrüßen? Denke daran: Zuerst deinen Partner, dann Deine Kinder, dann erst den Hund zu begrüßen! Mach es Dir zur Gewohnheit, Deinen Partner zu küssen, wenn du nach Hause kommst. Das muss noch kein heißer, lustvoller Kuss sein. Aber die fokussierte Aufmerksamkeit lädt zu erotischen Gefühlen ein. Auch ein liebevoller Blick kann den gleichen Effekt haben.

Bringt die Kinder zu Bett. Größere Kinder können bereits verstehen, dass ihre Eltern nun „Paarzeit“ haben und diese Paarzeit ein wichtiger Bestandteil eines gesunden Familienlebens ist. Denke daran: ihr als Paar bildet das Fundament einer glücklichen Familie, das heißt, ihr kommt zuerst!

Die Paarbeziehung hat immer Vorrang und kommt zuerst.

Schaffe eine Atmosphäre der Wohligkeit und der Sinnlichkeit im Haus. Damit meine ich ein Ambiente, dass ein erotisches Spiel erleichtert und auch zulässt. Schaffe beispielsweise eine Freizone für alle digitalen Geräte, vielleicht ab 21.30 Uhr. Gehe in den Kontakt zu deinem Partner. Kocht mal wieder gemeinsam. Lest Euch gemeinsam aus euren aktuellen Büchern vor. Lächle Deinen Partner an. Schau ihm in die Augen. Nimm ein Bad, allein oder mit Deinem Partner. Zünde Kerzen an… Zelebriert eure Paarzeit!

Was sind Eure Rituale des Übergangs, um die Grenze zwischen produktiven Tun und erotischem Selbst festzulegen? Ich würde mich freuen, wenn ihr Eure Tipps in den Kommentaren mit uns teilt.

Posted by Anne Brandt in Paartango, 0 comments