Zeit für Dich

Muttersein – Sexiness – Selbstentfaltung

Muttersein – Sexiness – Selbstentfaltung

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Dieser Text kommt eigentlich drei Tage zu spät, denn ich hätte ihn gut zum Weltfrauentag posten können. Es gab zwei aufeinanderfolgende Ereignisse, die mich ermuntert haben, diesen Beitrag heute zu schreiben.

  1. Stichwort: Emma Watson (ihr wisst schon, Hermine aus Harry Potter) und
  2. Das Feedback einer Hörerin meines Podcasts “Familie leben”

Ich möchte mit dem zweiten Punkt beginnen. Mich erreichte vorgestern die E-Mail einer jungen Frau, die mir ein schönes und postives Feedback zu meinem Podcast schrieb. Herzlichen Dank, Melanie, dafür. Was sie jedoch noch nicht ganz verstehe, sei, um was es mir dabei nun genau gehe: um Selbstfindung, Paarbeziehung & Sex oder um Familienthemen. Nun, liebe Melanie und alle Leser da Draußen: für mich gehört das alles zusammen. Ein Leben als Familie ist unglaublich komplex. Und dieser Blick für das Ganze ist es auch, der mir persönlich immer im Meer der Ratgeberliteratur gefehlt hat. Die Bereiche Leben mit Kindern, Selbstfindung und Paarbeziehung respektive Sexualität werden dort meistens separat betrachtet und untersucht.

Ich finde es, ehrlich gesagt, unglaublich, dass man als Mutter mancherorts immer noch schief angeschaut wird, wenn man davon spricht, sich mehr Lust und Leidenschaft im Leben zu wünschen. Als Mutter scheint man vor allem eins sein zu müssen, nämlich Mutter, hauptberuflich! Jede andere Regung in Richtung Selbstentfaltung und Lustempfinden gilt als egoistisch, weltfremd, ja, sonderbar. Und wenn von Sexualität in einer familiären Paarbeziehung gesprochen wird, dann vor allem zugunsten des Mannes, der nicht vernachlässgt werden dürfe. Schließlich, wenn Frau sich noch ein zweites Kind wünsche, müsse sie dem Mann Lust schenken, sich gefügig zeigen, auf seine Bedürfnisse eingehen. Oh, Frauen sind so wunderbar darin, ihre eigenen Bedürfnisse zugunsten der Familienharmonie hintenan zu stellen. Oder besser gesagt, vermutet man gerne, dass die Frau gerade das glücklich macht: verantwortlich für den Familienfrieden zu sein, so dass es allen gut geht. Frausein – Muttersein – Selbstentfaltung – Lust – Verlangen – Erotik, diese Kombination passt für viele Menschen in unserem Land noch immer nicht zusammen. Und ich könnte auch ganz einfach das Muttersein aus der Schlagwort-Kette löschen; selbst dieser Kombination haften schon merkwürdige gesellschaftliche Vorstellungen an.

Esther Perel beschreibt das in ihrem Buch “Wild Life” so: “Historisch betrachtet, sind weibliche Sexualität und Intellekt nie integriert gewesen. Die Körper der Frauen wurden kontrolliert und ihre Sexualität im Zaun gehalten, um deren korrumpierender Wirkung auf die Tugendhaftigkeit der Männer entgegenzuwirken. Fraulichkeit, assoziiert mit Reinheit, Opferbereitschaft und Zerbrechlichkeit, war der wichtigste Wesenszug einer moralisch erfolgreichen Frau. Ihr finsterer Zwilling, der weibliche Buhlteufel (auch bekannt als Hure, Schlampe, Konkubine, Hexe), war die derbe, sinnliche und unverhohlen lustvolle Frau, die ihre Respektabilität zugunsten sexueller Ausschweifung aufgegeben hat. … Frauen haben die patriarchalische Trennung zwischen Tugendhaftigkeit und Lust immer zu überwinden versucht und kämpfen bis heute gegen diese Ungerechtigkeit an.”

Und da wäre ich beim Stichwort Emma Watson. Die Schauspielerin ist eine aktive Frauenrechtlerin mit einem Bachelor in Literatur. Sie ist bekannt für ihr weltweites Engagement, u.a. entwickelte sie mit UN Woman die Kampagne “HeForShe”, die Männer und Jungen dazu bewegen möchte, sich für Frauen- und Mädchenrechte stark zu machen.

In der Vanity Fair erschien letztens eine Foto von ihr, das in den sozialen Netzwerken für Aufruhr sorgte, und zwar vor allem unter Frauen! Auf dem Foto sind die Brüste von Emma Watson halb entblößt. Dies wurde nun mit einem Verrat an der Frauenbewegung gleichgesetzt. Auch in unseren hochentwickelten Gesellschaften scheint die Kombination aus Intellekt und weiblicher Sexiness noch immer nicht akzeptiert zu sein. Einer Frau, die sich für die Gleichstellung von Mädchen und Frauen einsetzt, die darüber hinaus vielleicht auch noch Kinder hat, wird Sexiness noch immer gerne abgesprochen. Wenn überhaupt sollte es sich bei Charme und einer erotischen Ausstrahlung höchstens um ein Anhang-Attribut handeln, für das die Frau im besten Fall gar nichts kann. Aber sobald sie es aktiv und selbstbewusst für sich in Anspruch nimmt und als Teil ihres Seins begreift, werden böse Stimmen laut, unter Frauen wie Männern.

Als ich jung zum ersten Mal Mutter wurde, hatte ich natürlich dennoch das Bedürfnis, weiterhin meiner Leidenschaft für Bücher zu frönen. In den ersten Monaten mit einem sehr unruhigen Baby war das nicht leicht. “Oh, ich wünschte mir so, endlich mal wieder ganz in einem Buch versinken zu können.”, plauderte ich während eines Spaziergangs mit meiner Mutter so vor mich hin. Sie antwortete mir darauf, dass solche Dinge nun eben nicht mehr möglich seien, dass ich als Mutter nun eben andere Aufgaben hätte. Bumm! Ich blickte sie ungläubig an und dachte zum ersten Mal darüber nach, was es in unserer Gesellschaft hieß, Mutter zu sein.

Als dann die Zeit der Spielplatzbesuche begann, fragte ich mich innerlich, ob etwas mit mir nicht stimme, denn ich fand es meistens so unglaublich langweilig, dort auf der Bank zu sitzen und mich, wenn möglich, noch mit anderen Müttern über Windel-Konzepte, Babykost, Stillen oder nicht mehr Stillen etc. auszutauschen.

Ich denke, wir machen uns diesbezüglich viel zu viele Gedanken. Solche Dinge sollten viel pragmatischer und intuitiv gehandhabt werden. Viel, viel wichtiger sind doch in diesen ersten Jahren mit einem Kind Fragen wie: Wie fühle ich mich in der neuen Rolle als Mutter oder Vater? Bin ich gerne allein zu Hause mit meinem Kind? Fehlt mir mein Job? Wie hat sich mit der Geburt des Kindes die Beziehung zu meinem Partner verändert? Sehen wir uns jetzt nur noch als Eltern unseres Kindes oder bleiben wir ein Liebespaar? Reden wir miteinander und gönnen uns trotz Baby Paarzeit? Habe ich trotz Kind genug Raum für meine Bedürfnisse?

Viele junge Eltern sitzen einem romantischen Ideal vom Eltern-Sein auf, unter welchem subtil innerpartnerliche Konflikte aufkeimen können. So wird es heutzutage gerne als Standard proklamiert, dass der Mann während der Geburt des Kindes dabei sein sollte, für die Bindung zum Kind und um die Nabelschnur durchtrennen zu können. Für viele Männer ist die Geburt ihres Kindes sicherlich auch einer der glücklichsten Momente ihres Lebens. Bei der Geburt des Kindes anwesend zu sein, ja, die Frau dabei zu unterstützen. Aber bei manchen Männern entwickelt sich daraus eine sexuelle Erregungsstörung, die sich fortan auf die Paarbeziehung und somit auf das familäre Gleichgewicht auswirkt und nicht ohne professionelle Hilfe gehändelt werden kann.

Und das meine ich mit einem ganzheitlichen Verständnis, welches ich unter dem Namen “Familie leben” sublimiere. Die Ebenen der Selbstreflexion, der Paarbeziehung und die Gestaltung des Familienlebens sind auf engste miteinander verbunden.

Uns steht heute die große Freiheit zu, unser Leben bzw. auch unser Familienleben selbstständig und frei nach Gusto gestalten zu können. Im Prinzip steht da ein wunderbares Geschenk direkt vor uns, groß und mächtig, aber wir scheuen uns viel zu sehr, dieses Geschenk auch zu öffnen. Es wirken in uns noch alte, längst überkommene Muster und Rollenvorbilder, die uns hemmen, die Gestaltungsmacht, die mit der Freiheit einhergeht, zu nutzen. Das ist doch sehr schade, oder? Du darfst heute als Frau und Mutter selbst entscheiden, ob du Hausfrau sein oder Karriere machen möchtest, ob du einen Hidschab trägst oder einen Minirock, du kannst Dich selbst verwirklichen und mit deinen Kindern die Schulpflicht außer Kraft setzen, um mit ihnen um die Welt zu reisen. Du darfst dich auch mit Baby in Büchern verlieren (alles eine Frage des Elternteams bzw. des sozialen Netzwerkes, falls dein Baby auch temperamentvoll sein sollte), Bücher schreiben, Deinen liebsten Tätigkeiten nachgehen und deine Lust ausleben. Das gilt natürlich ebenso für Männer, außer was den Hidschab und den Minirock betrifft…obwohl… 😉

 

Posted by Anne Brandt in Paartango, Zeit für Dich, 0 comments
Tanze!

Tanze!

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Wann warst Du das letzte Mal tanzen? Gerade am letzten Wochenende mit Freundinnen oder deinen Kumpels? Du besuchst ohnehin schon einen Salsatanzkurs? Wunderbar! Ich hoffe, Du hattest viel Spaß und klatsche in die Hände. Leider ist es für viele Mütter und Väter nicht selbstverständlich, sich dieses Vergnügen ab und an zu gönnen, in der Disco abzutanzen, sich dem Rhythmus schöner Musik ganz hinzugeben. Sie lieben es zwar, Shows wie „Let’s dance“ zu schauen und sie träumen insgeheim davon, sich selbst so leicht und beschwingt über die Tanzfläche zu bewegen. Aber viele denken auch, sie hätten kein Talent zum Tanzen oder es fehle ihnen schlicht an Möglichkeiten dazu. Findest Du Dich hier wieder?

Nun, heute möchte ich Dich dazu ermuntern, wieder einmal zu tanzen – ganz gegen alle Bedenken. Was die Möglichkeiten betrifft: es gibt immer Möglichkeiten, Du brauchst keine Diskothek dazu!

Tanze - hier und jetzt! Gib Dich dem Rhythmus der Musik hin.

Mein Tipp: Tanze zu Hause! Nimm Dir ganz bewusst einmal die Zeit dafür und probiere es aus. Es ist dabei wichtig, dass Du Dich unbeobachtet fühlst und Dir mindestens 20 Minuten Zeit dafür nimmst. Lockere Deine Kleidung oder zieh Dich extra schön an – für Dich! Barfuß ist super. Wähle Deine Lieblingssongs zum Tanzen, nichts muss Dir jetzt peinlich sein. Das hier ist nur für Dich. Lass alle Bedenken fallen. Vielleicht musst Du über Dich schmunzeln, sehr gut. Lächle! Schließe die Augen und komm in die Bewegung. Das mag sich am Anfang komisch anfühlen, ungewohnt, ungelenk, aber Du wirst mit den Minuten in den Rhythmus hineinfinden. Wenn dann Gedanken aufkommen wie: ‚Oje, das sieht bestimmt gerade total deppert aus‘, wische sie einfach fort – das ist jetzt nicht wichtig! Gib Dich ganz dem Augenblick und der Musik hin. Für die Frauen hier: lass Dein Becken kreisen, versuche Dich in Bauchtanz, lass die Arme noch oben gleiten und mit Deinen Haaren spielen, denke an Deinen letzten schönen Tanz (mit diesem heißen Typen). Vielleicht fühlst Du Dich nach ein paar Minuten wie eine rollige Katze und windest Dich sogar auf dem Boden. Wunderbar! Spüre die Lust, Deinen Körper und Deine heißen Wangen. Du bist ein Mann?: ja, lass auch Du Dein Becken kreisen. Denke an Deinen letzten wilden oder schönsten Tanz. Kämpfe, boxe, springe, breakdance oder steppe durch die Wohnung. Die Frage ist einfach, worauf hast Du in diesem Moment Lust? Tanzen wirkt befreiend. Der Tanz war in in früheren Kulturen eng mit dem Gemeinschaftsleben verknüpft und wesentlicher Bestandteil vieler Riten, Bräuche und Feste. Unsere Vorfahren wussten noch genau, warum. Tanzen verbindet uns mit Eros, dem Lebens- und Liebestrieb, der so eine mächtige Wirkung hat. Du kannst ihn Dir bildlich als Dein Lebensfeuer vorstellen und die sexuelle Lust ist nur eine Komponente von Eros. Eine schöne Flamme gibt Dir Kraft, Lebensmut und Ausstrahlung auf vielen unterschiedlichen Ebenen: in Deiner Partnerschaft, im Job, im ausgelassenen Spiel mit Deinen Kindern. Halte die Flamme lebendig! Tanzen kitzelt Deinen Eros wach, wenn er gerade auf Sparflamme ist. Ich empfehle Dir, oft zu tanzen, so oft wie möglich. Tanze beim Aufräumen der Wohnung, beim Zähneputzen, unter der Dusche ein kleiner Bauchtanz, beim Sprung in die Stadt… Wir sind heute oftmals so unlocker, so verkrampft und gefangen in uns, so voller Drank nach Perfektion, dass wir ganz vergessen, uns auch einfach mal gehen zu lassen. Im Tanz können wir uns auf wunderbare Weise einfach gehen lassen. Also. geh mal wieder mit Freundinnen, Kumpels oder Deinem Partner aus, tanze auch mit Deinen Kindern…und spüre die positive Wirkung des Tanzes, des freien, lockernden Körperspiels.

Posted by Anne Brandt in Zeit für Dich, 0 comments