Kommunikation besser verstehen

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Oftmals suchen mich Klienten genau deshalb auf: sie klagen über eine schwierige Kommunikation mit ihren Kindern und/oder mit ihrem Lebenspartner. Und es fühlt sich ja wirklich nicht gut an, wenn Du versuchst, Deinem Partner oder Kind etwas zu kommunizieren und diese machen dicht, blockieren und Du hast das Gefühl, gegen eine dunkle Mauer zu reden, in der die eigenen Worte jedoch keinen Widerhall finden. Viele Coachees berichten davon, wie hilflos und ohnmächtig sie sich dann fühlen.

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Um ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen, möchte ich Euch gerne das Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun vorstellen (siehe Abbildung) und Euch damit erläutern, was Kommunikation eigentlich so komplex macht. Schulz von Thun hat ein Bild von vier Zungen (also für denjenigen der spricht) und vier Ohren (also für denjenigen, der zuhört) entwickelt. Mit diesem Kommunikationsquadrat lässt sich wunderbar veranschaulichen, warum ein Kommunikationsakt so verwirrend sein kann.

Ich möchte an dieser Stelle aber schon einmal betonen, dass Kommunikation über Worte zwar einen entscheidenden Teil der Gesamtkommunikation ausmacht und für die Atmosphäre und das Management innerhalb der Familie sehr bedeutsam ist. Sie ist aber nicht alles! Es gibt durchaus Paare und Familien, die verstehen sich fast ohne Worte. Wir leben jedoch im Kommunikationszeitalter und jonglieren jeden Tag mit Worten, ob verbal oder online. Worte, einmal in die Welt gesetzt, verströmen einen gewissen Duft bzw. setzen eine bestimmte Wirkung frei. Hier können sich so viele Missverständnisse entspinnen. Ich plädiere daher für einen bewussteren Umgang mit der eigenen Sprache.

Genau hier setzt das Kommunikationsquadrat von Schulz von Thun an: Ja, es handelt sich dabei ‚nur‘ um ein theoretisches Modell, aber ich finde, es gibt uns einen guten Einblick in die Vielschichtigkeit eines jeden Kommunikationsprozesses. Kommunikation ist eben nicht einfach technisch zu verstehen. Es gibt da nicht nur den Sender einer Information und einen Empfänger. Dieses Modell ist überholt und viel zu simpel gedacht. Kommunikation ist so tiefgründig und vielschichtig, wie die Menschen dahinter. Und Kommunikation besteht nicht nur aus Worten. Paul Watzlawick stellte einmal das Axiom auf: Man kann nicht nicht kommunizieren. Denn auch wenn Dein Partner oder Dein Kind blockiert, sich zurückzieht, Dir verbal nicht antwortet, stellt auch das einen Akt der Kommunikation zwischen Euch dar.

Kommunikation lässt sich als ein bizarres Spiel begreifen, das auf vier Spielfeldern gleichzeitig gespielt wird. Schulz von Thun spricht hierbei auch vom Simultancharakter von Kommunikation. Auf dem Bild oben siehst du die vier Felder.

Aber was bedeutet das Ganze nun? Also:

Wenn Du eine Äußerung von Dir gibst, sendest Du zugleich vier Botschaften:

1. einen Sachinhalt bzw. eine Information über die Verhältnisse in der Welt. Nehmen wir zur Veranschaulichung ein Beispiel, mitten aus dem Familienleben gegriffen. Du sagst zu Deinem Partner: „So selten, wie du zu Hause bist, da leiden auch die Kinder schon darunter.“ Auf der Sachebene, die also einen Teil des großen Quadrates darstellt, stellt diese Äußerung einen schlichten und überprüfbaren Sachverhalt dar. Stellt Euch vor, Mr. Spock spricht zu seiner Frau. Man könnte diese Äußerung also ganz rational betrachten.

Zumeist senden wir aber noch mehr Informationen. Und auch in diesem Satz: „So selten wie du zu Hause bist, da leiden auch schon die Kinder darunter„, schwingt höchstwahrscheinlich mehr mit: Du sendest nämlich oftmals zugleich auch (2.) eine Beziehungsbotschaft, die signalisiert, was Du von dem anderen hältst, ob Du ihn schätzt, liebst, ihn als gleichberechtigt akzeptierst, ihn kritisch siehst, ernst nimmst oder nicht usw. Diese Beziehungsbotschaft bildet einen zweiten Teil des großen Quadrates. In unserem Beispiel könnte es bedeuten, dass Du den Lebenswandel deines Partners momentan schwierig findest, dass er zu viel arbeitet und sich zu wenig um die Familie bzw. den Haushalt kümmert. Du sprichst es vielleicht nicht explizit aus, aber diese Botschaft könnte also in deiner Äußerung mitschwingen.

Eine Botschaft kann aber auch viel über Dich und Deine momentane Verfassung aussagen. Du sendest nämlich immer auch eine Kostprobe Deiner eigenen Persönlichkeit, Du gibst etwas von Dir preis, lässt erkennen, wie es Dir geht, was Dich interessiert, umtreibt oder quält usw. Schulz von Thun nennt das die (3.) Selbstkundgabe. Die Selbstkundgabe stellt das dritte kleine Quadrat im Großen dar. In meinem Beispiel: „So selten wie du zu Hause bist, da leiden auch schon die Kinder darunter„, kann das versteckte Thema also ebenso sein: Du fühlst Dich allein gelassen mit den Kindern, dem Haushalt etc. Du bist gerade nicht glücklich damit wie es läuft. Auch Du selbst, und nicht nur die Kinder, vermissen den Partner sehr.

Die Botschaft kann auch schlicht vor allem einen (4.) Appell beinhalten: Du möchtest Einfluss nehmen, mit Deiner Aussage etwas erreichen, im Gegenüber etwas auslösen, etwas bewirken usw. Dieses appellative Seite stellt das vierte kleine Quadrat im großen Kommunikationsquadrat dar. In meinem Beispiel: Du möchtest einfach, dass Dein Partner mehr Zeit mit den Kindern verbringt. Oder Du möchtest mal wieder mehr Zeit für Dich haben, um abends ausgehen zu können, Dich mit Freunden zu treffen etc.

Wichtig ist zu verstehen, dass in einer Äußerung nicht alle Ebenen gleich stark repräsentiert sein müssen: mal steht der Sachinhalt im Vordergrund einer Kommunikation, mal stärker die appellative Seite, dann wieder geht es dem Sender mehr um eine Form der Selbstkundgabe.

Ja, ich weiß, das macht das Verständnis füreinander natürlich nicht gerade einfacher. Aber es ist in meinen Augen von Vorteil, sich dieser vier Bereiche, die in einem Kommunikationsakt immer mitschwingen, auch bewusst zu sein. Meiner Meinung nach ist es übrigens so, dass je besser ihr eurer Gegenüber kennt, liebt und respektiert, umso mehr könnt ihr auch von dem Kommunikationsquadrat profitieren. Eine empathische Form von Kommunikation gelingt vor allem dann, wenn wir den anderen schon ein bisschen kennen und wissen, wie wir ihn sozusagen zu nehmen haben.

Und um das Ganze noch ein bisschen verzwickter zu machen: denn auch als derjenige, der angesprochen wird bzw. der der zuhört, hörst Du nun quasi mit vier Ohren. Dabei wirst Du, je nach Persönlichkeitstyp, wahrscheinlich ein Ohr stärker favorisieren. Hierbei spielen, ebenso wie in Deiner Sprecherrolle, übrigens Deine persönlichen Erfahrungen in deiner Ursprungsfamilie eine bedeutsame Rolle. So wurdest Du in deiner Kindheit mit einem bestimmten Kommunikationsmuster vertraut, welches Dich höchstwahrscheinlich auch im Erwachsenenalter begleitet. Aber das würde jetzt an dieser Stelle zu weit führen. Nur soviel: natürlich sind Kommunikationsmuster auch wandelbar.

Du hörst also Deinem Partner oder Kind ebenfalls mit vier Ohren zu, wobei Du situationsabhängig und je nach deinem Temperament eines bevorzugen wirst.

Nehmen wir noch einmal das Beispiel von eben: „So selten wie du zu Hause bist, da leiden auch schon die Kinder darunter“. Stell Dir also vor, Du wirst mit diesem Satz von Deinem Partner konfrontiert. Es liegt nun an Dir, welches deiner vier Ohren Du benutzt bzw. auch auf welche der vier ankommenden Botschaften Deines Partners du reagieren willst. Yes, Du hast die Wahl! An dieser Stelle wird auch klar, welche Macht Du als Empfänger einer Botschaft hast, die den weiteren Verlauf der Kommunikation maßgeblich mitbestimmt.

Hörst Du mit dem Sach-Ohr? Geht es Dir also primär um die überprüfbaren Inhalte einer Äußerung? Dann würdest Du in diesem Fall wohl heraushören: „Ich bin, erstens, selten zu Hause. Zweitens, die Kinder leiden. Das Leiden der Kinder wird, drittens, eben dadurch ausgelöst, dass sie mich kaum sehen.“ Du könntest in diesem Fall zurückfragen: „Woran machst du fest, dass die Kinder leiden? Erzähl mal!“

Hörst Du lieber mit dem Selbstkundgabe-Ohr? Versuchst Du also, den Menschen hinter der Äußerung zu erspüren, ihn zu begreifen? Du würdest in diesem Fall vielleicht empathisch reagieren und die Enttäuschung und die Verzweiflung deines Partners aufnehmen. Es würde Dir dann vielleicht sogar auffallen, dass Dein Partner auch gesagt hat, dass also auch er Dich vermisst. So würdest Du vielleicht erwidern: „Fühlst du dich sehr allein gelassen mit den Kindern und all den familiären Angelegenheiten?“

Oder hörst Du eher mit dem Beziehung-Ohr und reagierst vor allem darauf, wie Du Dich selbst als Mensch angesprochen und behandelt fühlst? Dich würde in diesem Fall wahrscheinlich vor allem der Vorwurf Deines Partners erreichen und Du würdest den Satz vielleicht so für sich übersetzen: „Du bist ein schlechter Vater bzw. eine schlechte Mutter, bist schuld am Leid und Elend der Familie!“ Hier könnte sich also ein handfester Streit anbahnen, der oftmals in einem Teufelskreis endet, wenn beide nur die Vorwürfe des anderen heraushören. Macht es dann wohl Sinn, zu erwidern: „Verdammt noch mal, meinst du, es macht mir Spaß, dauernd Überstunden zu schieben? Denkst du, das ist mein Hobby? Ja?“

Du könntest natürlich auch schlicht mit Deinem Appell-Ohr horchen, Dich also vor allem der Frage zuwenden, wozu der andere Dich mehr oder minder deutlich auffordern möchte? Dich erreicht dann wohl diese Botschaft: „Kümmere dich mehr um uns! Tu was!“ Wenn Du appellmäßig reagierst, schlägt Du eventuell ja gleich eine konstruktive Lösung vor: „Lass uns am Wochenende einmal zusammen eine große Fahrradtour machen!“

Beobachte bei nächster Gelegenheit doch einmal bewusst, auf welcher Ebene Du eine Botschaft sendest (Deine Perspektive als Sprecher) und mit welchem Ohr Du bevorzugt hörst. Versuche dann auch zu erspüren, wie Du den Verlauf einer Kommunikation durch einen Ebenen- oder „Ohr“wechsel gezielt beeinflussen kannst.

Dieses Thema bespreche ich auch in meinem Podcast. Hier gelangst Du zur entsprechenden Episode.